Click-o-Tron: du wirst nicht glauben, was dieses Programm schreibt… Clickbait.

Es ist die Geißel der Moderne: Überschriften, wie etwa „Sie zerschneidet eine Tüte. Nach 5 Minuten steht die der Mund offen.“ oder auch „Die 2 Jungs filmen ihren Tod. Doch was die Kamera DANACH aufzeichnet, bereitet mir Gänsehaut“ (und das sind übrigens echte Überschrift von der Abfall-Seite heftig.co, die sich sogar unverschämt selbst betitelt mit ‚Dinge die wichtig sind.‘).

Clickbait ist ein effektives Mittel um Menschen auf die eigene Seite zu locken, um sie in der Regel mit minder-interessantem Inhalt abzulenken, während sich 46 Werbebanner auftun und vor jedem 23-Sekunden-Clip eine 1:45 dauernde Werbung gespielt wird und sich die Betreiber fröhlich die Euros einstreichen. Mittlerweile gibt es hunderte von diesen Seiten und selbst einst gute Portale, wie Focus oder Chip haben mittlerweile auf Köder-Überschriften und Titten-Bildchen gesetzt, um eine hohe Zahl von Besuchern auf die Seite zu locken.

Ich habe den Versuch übrigens selber gemacht und mit Erschrecken feststellen müssen, dass der Artikel „Er kauft sich eine Smartwatch, was er dann tat, war total furchtbar…“ tatsächlich übermäßig häufig aufgerufen wurde.

 

Aber mit ein wenig Glück ist das jetzt bald Geschichte

Der norwegische Entwickler Lars Eidnes hat ein Programm, oder besser eine neurales Netzwerk entwickelt, das selbstständig Clickbait verfasst und autonom alle 20 Minuten eine solche Überschrift samt kurzem Artikel generiert.

Click-o-Tron, wie er es taufte, hat 2 Millionen dieser Überschriften und Texte von Seiten, wie Buzzfeed (kotz) oder auch der Huffington Post (doppelkotz) lesen lassen und diese auseinanderpflücken und analysieren lassen. Damit wurde das Netzwerk trainiert, selber solche Clickbaits zu verfassen. Der Vorgang geht dann so von Statten, dass aus dem Kontext ein erstes prägnantes Wort gewählt wird und zu dem gewählten Wort ein passendes zweites ausgewählt wird und dann ein drittes und so weiter und so weiter – bis eben eine Überschrift gefunden ist, die tatsächlich dem „Kriterium“ Clickbait entspricht.

Die ersten Versuche waren jedoch noch etwas holprig; mit Titeln, wie „Real Walk Join Their Back For Plane To French Sarah York“ oder „Economic Lessons To Actress To Ex – Takes A App.“ hätte niemand etwas anfangen können. Aber nach einigen weiteren Läufen spuckte das Netzwerk dann Folgendes aus: „Romney Camp: ‘I Think You Are A Bad President.‘„.

Das wirklich Interessante daran ist, dass in dem Artikel, der als Grundlage galt, zwar 17 mal „Romney Champ“ auftauchte, aber nur ein einziges Mal der Begriff „Bad President“ fiel – und dann noch nicht einmal von Champ selber. Die Überschrift selber könnte aber von jeder der bereits genannten, verabscheuungswürdigen Seiten stammen.

Die Seite Clickotron.com bietet hunderte solcher Artikel. Hier einmal ein Beispiel:

Click-o-Tron (2)

Unter der Überschrift „Divorce: A Question Of Life“ verbirgt sich ein sehr kurzer Text, der sich wie folgt liest:

That’s the word „faces“ in which the stories of both country talk today and are often often made by Matt and Hall.

Despite the fact that „Real Men“ star Marc O ‚ „passed up“ the cover for her performance on „In this“ I & stay at a shooting site, I couldn’t have used it, making a documentary about black men.

Music should be its home and profit to an area and not more than our own. Because most of us are using it when we don’t get more than what they can pay us

Und das ist in meinen Augen die Essenz dessen, was dieser Clickbait-Scheiß uns allen bringt: nämlich gar nichts. Gibberish oder Nonsens sagt man dazu und das fasst es für mich auch damit zusammen. Nehmt euch mal die Zeit und besucht so eine Seite, wie heftig.co und ihr werdet erschaudern über den völligen Unfug und Kack, der dort geschrieben wird.

 

Und warum ist das jetzt gut?

Eidnes selber sagt, dass Click-o-Tron eine „unerschöfliche Quelle von nutzlosem Journalismus, völlig kostenfrei“ liefert und (und das ist der Knackpunkt) dass wenn er „recht aus dem Ökonomie-Kurs erinnere, dies den Marktwert dieses unnützen Journalismus auf 0 bringen würde“ und andere Produzenten zwinge, endlich etwas anderes zu produzieren.

Das ist doch mal eine erfreuliche Aussicht! Und ich hoffe inständig, dass es auch nur ein Stück weit zieht und vielleicht die einen oder anderen Menschen dafür sensibilisiert, wie sie mit diesen Überschriften über den Tisch gezogen werden.

 

Zu guter Letzt möchte ich gerne mit einem Zitat von heftig.co abschließen

Ist es das wirklich wert? Teile diesen Artikel, wenn du der gleichen Meinung bist und bewahre damit den einen oder anderen Freund vor einem fatalen Fehler!

Denn nicht nur bei meinen Facebook-Bekanntschaften sind zu viele dabei, denen diese Schund-Seite „gefällt“, sondern womöglich kennt auch ihr ein paar der aktuell 1.796.413 Personen, denen ihr gerne mal den Hinweis geben könnt, dass das Scheiße ist. ;)

 

 


Quelle: clickotron, popularscience via AndreSchlünzen

 

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