(k)ein Rant – WWDC16 Recap: Apple hat wieder viel VON DEN ANDEREN gelernt

Ich habe es mir gestern Abend angetan und die Keynote der WWDC angeschaut. Und ich habe erneut feststellen dürfen, dass Apple eine Sache perfektioniert hat: darauf zu achten, was in der Welt passiert und was andere für neue Funktionen bringen (oder ankündigen) und diese zeitnah in das eigene System zu integrieren.

Es soll hier jetzt nicht in erster Linie darum gehen, wer wann wen kopiert oder kopiert hat, sondern schlicht darum, wie Apple auf clevere Art Energie (und Zeit und Geld) spart, sich neue Sachen auszudenken und statt dessen einfach Ideen anderer für iOS und macOS (Achtung! Neuer Name! Das hat Begeisterungsstürme im Publikum ausgelöst) umsetzt.

Und ja: es gibt immer irgend eine App, die die eine oder andere Funkion schon vorher ermöglicht hat, bla bla bla.

Aber gehen wir doch mal vorher einen Schritt zurück: unter iOS 9.3 hat man kurzerhand einen Modus für iPhone und iPad integriert, der das Display des Geräts leicht rötlich färbt, wenn die Nachtigall ruft. Nightshift nennt sich das ganze und kann sogar passend zur Zeit des Sonnenuntangs voll automatisch aktiviert (und zum -Aufgang deaktiviert) werden. Clevere Sache. Und ja: das gab es als App schon ewig. Aber da hatte sich niemand für interessiert – kaum kündigte Google dieses Feature aber für Android N an, hat man in Cupertino entweder zeitgleich die selbe Idee gehabt oder man hat sich schlicht gedacht „Pah! Bevor die ihre unbenannte Süßigkeit veröffentlichen, packen wir das einfach in das nächste kleine Update.“ – und was sol ich sagen? Das funktioniert. Wenn Android N irgendwann Mitte/Ende diesen Jahres erscheint, werden die Leute mit den Schultern zucken und sagen „Tja. Hat Apple schon lange.“…

Und das ist nur ein kleines Beispiel. Auf der gestrigen Keynote gab es noch mehr davon. Beispielsweise den aufgebohrten Messenger (hieß das nicht mal iMessage?) unter iOS. Dort kann man jetzt einzelne Nachrichten als (nennen wir es mal) whisper und shout senden. Klingt irgendwie vertraut? Ja, das hat man auf der I/O vor einigen Wochen für den Messaging-Dienst Allo gezeigt. An der Stelle ist das Theater, in dem die Präsentation gehalten wurde für Google-Verhältnisse ausgerastet. Da liegt es nahe, dieses Feature beim eigenen Messenger aufnzunehmen. Ja, natürlich hat Apple den Messenger noch viel weiter aufgebohrt: Hintergrundanimationen, bewegte Malbilder, Emojis, Emojis, Emojis, Link-Vorschau und versteckte Nachrichten, die man erst geheimnisvoll freirubbeln muss… Aber das ist eben auch wieder ein weiterer Punkt, den Apple richtig macht: welche Kategorie von Apps ist die am häufigsten genutzte auf der ganze Welt? Messenger. Und Apple hat sich einfach aus allen Messengern der Welt die interessantesten Features genommen und in den eigenen integriert. So einfach ist das. Und es funktioniert blendend, wie man an den Jubelschreien und Standing Ovations gesehen hat.

Man hat die bessere Version von Siri gezeigt. Zwar nur kurz, aber recht eindrücklich war die Demo, die vorgeführt hat, wie Siri jetzt Kontext-abhängig Fragen beantworten kann. Auch hier: gut geklaut abgeguckt übernommen ist besser (sprich: billiger), als selber ausdenken. iOS- (und bald ja auch macOS)-Nutzer werden sich freuen, einen Sprach-Assistenten zu haben, der eine Frage der Güte „und wann ist sein Geburtstag?“ einfach im Anschluss an eine Personensuche durchführen zu können.

Ebenfalls sehr hilfreich: iOS erlaubt es jetzt, Anrufer anhand ihrer Nummer zu identifizieren. Seit Android KitKat Teil des Betriebssystems, hat man nun bei Apple ebenfalls erkannt, dass die Leute sowas praktisch finden. So kann man direkt erkennen, ob es sich beim Anrufer um den lokalen Pizza-Dienst handelt, der Bescheid geben wollte, dass Anchovies aus sind oder um einen bekannten Spam-Anrufer. Was? Spam-Anrufer kennt ihr nicht? Chinesen schon. Und Apple war gestern viel daran gelegen, zu zeigen, dass man China auf dem Schirm hat… Und wie. Aber darum soll es hier nicht gehen.

Die Liste geht theoretisch noch weiter: Lockscreen-Widgets, das iPhone wecken, indem man es aufnimmt, Schnelleinstellungen auf der Smartwatch, Handschrift auf der Smartwatch, Turn-by-Turn Navigation, Traffic-Control, POI auf dem Weg, und automatische Umleitung und schnellere Routen für Apple Maps, automatisches Erstellen von Trip-Sammlungen in Photos mit kurzen Videos… Gerade die letzten beiden Bereiche haben so laut die Prinzen zitiert, dass jeder Android-Fanboy wohl hochrot angelaufen ist.

Natürlich ärgere auch ich mich, wenn ich dann in ein paar Monaten allerorts höre, welches bahnbrechende neue Feature jetzt das iPhone von jedem Hanswurst hat, die allesamt keinen Plan haben, dass das alles nichts „Neues“ ist… Aber wie gesagt: man muss Apple einfach zugute halten, dass sie es einfach machen und dem Kunden so ein Komplettpaket in die Hand geben. Ja, klar könnte sich jeder auf dem iPhone auch Google Maps und Google Fotos installieren und diese Features schon jetzt nutzen. Aber das habe ich ja schon ganz zu Anfang geschrieben: es gibt immer irgend eine App, die die eine oder andere Funkion schon vorher ermöglicht hat.

 

 


Wer eine Kurzfassung der Keynote haben will: The Verge war wieder so nett ein „keynote in 10 minutes“ Video zu schneiden:

 

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