Google Photos: euer Geheule über kostenlosen Speicher nervt

Ja, Google Photos wird ab Mitte 2021 quasi-kostenpflichtig. Sich darüber aufzuregen ist aber kindisch.


Google hat mit der Meldung eine ziemliche Bombe platzen lassen: ab Anfang Juli 2021 wird der Dienst nicht mehr zu 100% kostenlos sein und den verfügbaren Speicherplatz, der an jedem Google Account hängt, aufbrauchen, bis dieser erschöpft ist.

Und alle Nase lang liest man irgendwo Kommentare von Nutzern (etwa in den Berwertungen der Google Potos App im Play Store), die sich darüber ärgern, dass bald ein Dienst Geld kostet, der bisher kostenlos war und das ist ja ganz schön gemein und darf ja wohl nicht sein.

Aber es gibt auch genug Blogposts, die ankreiden, dass Google den Dienst auf lange Sicht für viele kostenpflichtig machen wird und ebenfalls in die Kerbe “ja ist ja klar. erst die leute mit was kostenlosem heiß machen und dann schön abzocken!” schlagen und dann gerne noch Google+ und Picasa, die allerdings ihrerseits geschlossen wurden, ins Rennen der Argumentationen schicken und dem bösen, bösen Unternehmen Stromboli-Verhaltenszüge andichten.

Natürlich gibt es auch schon Petitionen, die fordern, dass Google Photos für immer kostenlos bleiben soll. Ob das Früchte tragen wird? Ich glaube kaum.

Aber ganz ehrlich: alles kostet Geld und nichts ist umsonst oder gar kostenlos. Speicher kostet Geld. Und Google hat 5 Jahre lang komplett kostenlosen Speicher zur Verfügung gestellt, auf den viele (ich nehme mich da nicht aus) nicht nur die Bilder der eigenen Smartphones gelegt haben, sondern auch tausende von Bildern von DSLRs, ältere Bilder aus den frühen Smartphone- oder Fliphone-Zeiten, eingescannte Bilder, als noch kein Denken an digitale Fotografie war. Es gibt Leute, die sogar ganze Filme auf Google Fotos hochgeladen haben um ihre eigene kleine Sammlung an DVD-Rips irgendwo abzulegen.

Alles kostenlos. Ganz schön cool. Das muss man ja ausnutzen. Klar.

Erinnert sich noch jemand an WhatsApp? Ich meine das WhatsApp, das damals zu meiner Schulzeit den ersten Kampf gegen Kakao und Co geführt hat, als Smartphones noch nicht in den Händen jedes Sechsjährigen waren. WhatsApp war mal kostenpflichtig für iOS. 😮

Und ich erinnere noch sehr gut die Zeit, als alle mit Schrecken das Datum gesehen haben, das in der Android-Version von WhatsApp angezeigt wurde, ab dem man einen jährlichen Beitrag von 89 Cent zahlen müssen würde.

Das kann ja wohl nicht sein. Für etwas zahlen, was einem zur Verfügung gestellt wird.

Dass Google jetzt also, nach 5 Jahren der uneingeschränkten Zurverfügungstellung eines der wohl praktischsten Dienste aus dem Hause Google auf lange Sicht Geld verlangen wird hat meiner Einschätzung nach nichts mit Ködern zu tun, sondern schlicht damit, dass man, auch als das reiche Unternehmen Google, nicht unendlich Ressourcen, Entwicklungszeit und Geld in einen Dienst investieren kann ohne dass man einen Ausgleich erhält. Und jetzt kommt mir bitte niemand mit “ja aber micha! google verkauft doch unsere daten und unsere bilder und erzählt meiner bank ob ich von meinem google play guthaben einen dildo in amsterdam gekauft habe!” – Bullshit. Wer sich ernsthaft mit dem Geschäftsmodell von Google beschäftigt, der versteht, dass seine persönlichen kleinen Daten keinen Furz interessieren und, von allem mal abgesehen, Google zwar Inhalte für die Verbesserungen oder das Schaffen von Funktionen und Diensten nutzt, das aber Usus bei so ziemlich jedem Unternehmen ist.

Das tut Apple auch. Die sind allerdings cleverer (oder hinterlistiger?) als Google. Natürlich nutzt auch Apple Informationen seiner Nutzer, um Funktionen zu entwickeln – man kann sich schließlich nicht alles selber ausdenken und fiktive Zahlen von fiktiven Nutzern zugrunde legen wenn man neue Dienste und Features entwickelt. Aber Apple macht das so, dass man direkt vorweg jemand anderen als Buh-Mann darstellt und dann noch zwölf Mal darauf hinweist, dass man die Privatsphäre ja sehr viel mehr achtet. Das erzeugt das Bild, dass die anderen es nicht tun und Apple aber sehr wohl. Das schönste Beispiel war die Vorstellung der Foto-Verwaltung und Durchsuchung auf dem iPhone vor einigen Jahren, bei der Tim Cook auf der Bühne sagte, dass die Bilder auf dem iPhone sicher sind und Siri sie nur dort durchsucht und (und jetzt kommts) man die Bilder nie für Werbezecke verkaufen würde. “who does that?” hatte er damals gesagt. Was er damit implizieren wollte, war wohl klar.

Aber das soll hier kein Apple-bashing werden. Apple sagt nur von vornherein “ja, ne. wenn du iCloud-speicher haben willst, dann kostet dich das geld. egal wofür du es nutzt.” und zwar vielleicht nicht achtkantig Geld, aber gerade im Vergleich zu dem, was Google schon jetzt für Google One nimmt, deutlich mehr.

Zum Schluss meines kleinen Somuncu-esken-Ausbruchs möchte ich gerne noch darauf hinweisen, dass Google mit der Änderung bei Google Fotos noch gar nicht alle Informationen geliefert hat. Man hat angekündigt, dass man bis Sommer 2021 noch weitere Details und Änderungen nennen wird, die mit dem Wechsel zum neuen Modell einher gehen. Sicherlich auch auf Basis der vielen Rückmeldungen von Nutzerinnen und Nutzern. Wer sagt denn, dass man nicht noch ein Google Fotos Light-Tier einführt, sagen wir für Bilder bis 8MP oder ähnliches?

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