Apple begeistert mit höchst fragwürdiger Geschäftsidee: basiert auf eurer Kreditkarte und Werbung…

Wollen wir alle mal an so ziemlich jede Apple Keynote zurückdenken, auf der Tim Cook oder irgendeiner seiner Schergen sich damit brüstete, dass ja alle anderen die Daten der Nutzer stehlen und verkaufen würde und das alles nur für Werbung? Ja? Also spätestens jetzt können die Herrschaften aus Cupertino dann damit aufhören. Denn wie die Mobilegeeks in einem sehr lesenswerten Artikel aufführen, hat sich Apple zwei Patente gesichert, die euch Werbung auf schon fast perfide zugeschnittene Art und Weise präsentieren sollen.

Die wenigsten werden Apples Werbeplattform iAds kennen. Es ist das Pendant zu Googles Adsense und so vielen anderen Werbeanbietern und ermöglicht App-Entwicklern, aber auch Webseitenbetreibern, passende Werbung für die jeweiligen Nutzer anzuzeigen. (Auch bei uns findet ihr Werbung – diese kommt übrigens von Google.) Um iAds noch besser auf den Nutzer zuschneiden zu können, geht Apple jetzt also einen besonderen Weg: man will die Daten der hinterlegten Kreditkarte (also Limit, Kontostand, etc.) nutzen, um finanziell nicht relevante Werbung erst gar nicht anzuzeigen. Denn das große Problem bei Werbung ist, dass einfach häufig so ist, dass der jeweilige Nutzer sich vielleicht einfach nicht den 2.000€ teuren Fernseher oder die 600€ Handtasche leisten kann. Wenn man aber um die finanzielle Lage der potenziellen Kunden wüsste, könnte man nicht nur zur den Interessensgebieten passende Werbung, sondern auch noch nur die anzeigen, die sich derjenige auch wirklich leisten kann. Ziemlich clever. Ziemlich perfide.

Gerade Apple, die bei der Vorstellung von iOS 9 noch vollmundig behaupteten, dass „gewisse Konzerne“ unendlich viele Bilder in der Cloud speichern lassen und diese scannen, um sie selber zu benutzen und dort Werbung zeigen zu können, sollte den Ball bei der nächsten Gelegenheit also möglichst flach halten. Denn Fakt ist: mit der Millionen und Abermillionen von verkauften iPhones und damit für den Appstore gespeicherten Kreditkarteninformationen ist Apple wahrscheinlich im Besitz der größten Sammlung der Welt. Und wenn man das in Form von Werbung zu noch mehr Geld machen kann, scheint selbst der vermeintliche Datenschutz-Engel mal die eigenen Prinzipien zu vergessen. Und Steve Jobs kann sich wahrscheinlich nicht oft genug im Grabe umdrehen.

Darüberhinaus will Apple in die persönliche Zuschneidung der Werbung wohl auch noch eure Interaktionen mit Werbeanzeigen bei Facebook, Twitter, Instagram usw. auswerten, um die Genauigkeit noch weiter zu verfeinern.

 

Versteht mich bitte nicht falsch; Werbung ist der wahrscheinlich lukrativste Zweig, den es derzeit gibt und ich weiß natürlich, dass Google und Facebook ganz weit vorne sind, was die Zusammenführung von Informationen angeht, um passende Werbung für den Einzelnen anzuzeigen. Aber a) muss man einfach mal sagen, dass Apple sich jahrelang mit ausgestrecktem Zeigefinger hinter den anderen Firmen versteckt hat und keine Gelegenheit ausließ, über den Datenklau herzuziehen und b) ist die Nummer mit der quasi-Liveauskunft zur Kreditwürdigkeit eines Kunden ja noch viel ekliger, als jeder Schufa-Eintrag.

Vielleicht noch eine kleine Erleichterung für alle Besorgten: da es sich um ein Patent handelt, können wir davon ausgehen, dass andere Firmen dieses Prinzip nicht einsetzen werden oder (wenn man das schon tat) es dann nicht mehr einsetzen dürfen – denn wie Apple mit Patenten umgeht, bzw. diese mit gefletschten Zähnen verteidigt, haben wir ja in der Vergangenheit oft genug gesehen… 😉

 

ich empfehle noch einmal den ausführlichen Beitrag bei Mobilegeeks – da gibt es noch mehr unschöne Details.

 

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