Die große Enttäuschung: Langzeittest des Nexus 5X


Nexus 5X

Nexus 5X
6.5

Performance

3.0 /10

Handling / Grip

8.5 /10

Kamera

9.0 /10

Software

8.0 /10

Akku

4.0 /10

Pros

  • Liegt großartig in der Hand
  • Fingerabdruckscanner arbeitet schnell

Cons

  • hängt zu oft / Apps starten stark verzögert
  • furchtbarer Lautsprecher
  • Akkuleistung trotz "Doze" nicht gut
  • USB Typ-C noch nicht weit verbreitet

Vorwort

Wie habe ich jubiliert, als klar war, dass Google nach dem viel zu großen (aber trotzdem ziemlich guten) Nexus 6 von Motorola nicht nur ein Phablet auf den Markt bringen würde, sondern auch ein handliches Smartphone mit 5,2 Zoll. Gefertigt von LG, wie das Nexus 5, das ich heiß und innig geliebt habe und nur abgegeben hatte, weil der Akku irgendwann meinen Bedürfnissen nicht mehr genügte.

Das Design hatte mich insgesamt angesprochen und als klar war, dass man nun auch endlich eine richtig gute Kamera verbaut hatte und das Gerät mit Frontlautsprechern kommt, war für mich klar: ich muss das Nexus 5X haben.

Und jetzt kommt das ‚aber‘:

 


TL;DR

Ich habe das Nexus 5X jetzt lange mein Eigen genannt und ich bin ein Fan von Stock Android und der Kamera, keine Frage, aber das Smartphone hängt einfach zu oft und zu lange. Noch nie musste ich ein Smartphone so oft neustarten, oder aus Verzweifelung den Cache wipen. Der Mono-Frontlautsprecher auf der Front ist eine Beleidigung für jeden, der auch gerne mal die Musik darüber abspielt und die Akkuleistung ist insgesamt als sehr mittelmäßig zu bezeichnen.

you were the chosen one

Sorry Google, aber dieses Gerät kann ich ruhigen Gewissens kaum jemandem empfehlen, was auch der Grund dafür ist, dass ich dem Nexus 5X nur mit einem zugedrückten Auge nicht eine noch schlechtere Note gebe.

Wer gerne ausführlich dargelegt bekommen will, warum das kleinere Nexus so schlecht abschneidet, der liest einfach weiter.


 

Design, Größe, Haptik

Fangen wir mit dem Positiven an: Das Nexus 5X hat eine, für mich optimale Größe! Mit dem 5,2 Zoll großem Display und den insgesamt angemessenen Rändern liegt es toll in der Hand, lässt sich ganz locker mit einer Hand bedienen und passt in so ziemlich jede Hosentasche. Ich mag die leicht gerundeten Gehäusekanten auf der Rückseite – dadurch schmiegt es sich toll in die Handfläche.

Die Soft-Touch Rückseite ist (bei nicht total trockenen Händen) griffig und fühlt sich im Gegensatz zu Metall-Gehäusen nicht jedes Mal so sehr kalt an. Dafür ist die Rückseite ein ziemlich Schmieren-Magnet; nach wenigen Tagen der Nutzung sah die Rückseite sehr unansehnlich aus und war nur mit viel rubbeln wieder einigermaßen schön zu bekommen. Das ist auch der Grund, weshalb das Nexus 5X auf einigen Bildern noch schwarz und dann später rot ist.

Nexus 5X (2)

Ich mag, dass der Kopfhöreranschluss am selben Ende sitzt, wie der USB-Anschluss, so hat man (wenn man denn mal beides eingesteckt hat) weniger Kabel-Wirr-Warr.

Auf der linken Seite findet man die Lautstärke- und den Power-Taster. Diese sind im Gegensatz zum Nexus 6P aus Kunststoff und sehr kantig, darüberhinaus sitzen sie nicht 100% fest im Gehäuse, sondern haben ein ganz klein bisschen Spiel – nicht schlimm, aber für einige wohl erwähnenswert.

Auf der Rückseite findet man die leicht erhabene Kamera mit Blitz und Laser-Autofokus und den mittigen Fingerabdruckscanner. Alles auf einer Linie mit dem ‚Nexus‘-Schriftzug – das erzeugt ein super rundes Bild in meinen Augen! Dass die Kamera herausragt störte mich übrigens nie wirklich – ich weiß nicht, warum da so viele Leute ein solches Bohei darum machen.

Auf der Front findet man das schon angesprochene Display (LCD), darüber die Frontkamera und den Ohrhörer (Achtung! Kein Lautsprecher) und darunter den Frontlautsprecher mit integrierter Benachrichtigungs-LED.

Die hohe Symmetrie des Nexus 5X hatte mich schon am Tag der Vorstellung begeistert und war einer der Gründe, weshalb ich dieses Smartphone unbedingt haben wollte.

 

Leistung / Performance

Wow. Ich war noch nie so enttäuscht von einem teuren und (zumindest auf dem Papier) gut ausgestattetem Gerät.

Das Nexus 5X ist mit Hardware ausgestattet, die irgendwo im Bereich ‚gut‚ bis ‚etwas besser, als gut‚ angesiedelt ist. Leider merkte ich davon in den vergangenen Wochen und Monaten viel zu oft gar nichts. Während die theoretischen Werte der Benchmarks dem Smartphone Potenzial bestätigen und es insgesamt ziemlich ordentlich abschneidet, hat es in der Realität häufig eher mit übermäßig langen Denkpausen und teilweise mit völligem Stillstand brilliert.

[expand title=“Benchmark-Ergebnisse des Nexus 5X“ scrollonclose=“auto“]

 

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Extrem laggy, wenn es am Strom hängt, Wartezeiten von i.d.R. mindestens einer Sekunde, wenn man es aus dem Standby nimmt (egal ob über Fingerabdruckscanner oder Powerbutton), Ladezeiten von mehreren Sekunden, wenn man Apps öffnet… Das alles bis hin zu völligem Einfrieren, obwohl man überhaupt nichts weltbewegendes mit dem Gerät gemacht hat. Da half oft nur der Neustart.

Leider auch davon betroffen: die Kamera. Google hat im Nexus 5X und 6P einen Shortcut für die Kamera eingebaut, der es einem erlaubt durch zweimaliges Tippen des Power-Buttons die App zu starten. In der Realität sieht das aber oft so aus: Power-Button zweimal drücken… warten… warten… warten… und dann sieht man entweder das Bild der Kamera, oder aber der Bereich bleibt einfach schwarz. Dann war es das nicht nur mit dem Schnappschuss, sondern in der Regel auch mit Fotos an sich. Wieder hilft nur der Neustart, oder man kann auch in 5 Minuten noch kein Foto machen. Gott, wie oft habe ich über dieses Problem geflucht!

Der Snapdragon 808 im Inneren macht dann allerdings bei Spiel-Einlagen wieder eine verdammt gute Figur. Nach dem obligatorischen Warten auf die Spiele-App läuft diese dann super flüssig und lädt Level o.Ä. ziemlich zackig. Warum dann also so ein Problem in der normalen Android-Oberfläche und beim Starten von Apps…?

[expand title=“Spezifikationen des Nexus 5X“ scrollonclose=“auto“]

Display 5,2 Zoll AMOLED
Auflösung 1920 x 1080 (424 ppi)
CPU Qualcomm Snapdragon 808
GPU Adreno 418
RAM 2GB RAM
Speicher 16/32 GB
Akku 2700mAh
SIM nanoSIM
Abmessungen 147 x 72,6 x 7,9 mm
Hauptkamera 12,3 Megapixel
Frontkamera 5 Megapixel
Modem GSM, HSPA, LTE
WLAN 802.11 b/g/n
Bluetooth 4.1, LE
USB Typ C, 2.0
Betriebssystem Android 6.0.1

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Nexus 5X Nexus 6P (4)

 

Akkuleistung / Quickcharge

Bei den beiden neuen Smarpthones hat Google eine Schnellladefunktion integriert, die erfreulicherweise in der Tat ziemlich schnell lädt… Allerdings hatte ich zu dem Zeitpunkt dieser Ankündigung bereits eine schreckliche Befürchtung: der Akku wird wohl nicht der Hammer sein. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Doze als Energiesparfeature in Android Marshmallow sorgt zwar dafür, dass das Nexus 5X nur sehr, sehr wenig Energie verbraucht, wenn es im Standby-Modus ist, wird das Smartphone aber häufiger benutzt (und das tue ich nun mal), kann man leider doch recht gut zusehen, wie die Akkuanzeige stetig in Richtung 1% wandert.

Quickcharge kann hier zwar erstaunlich viel in kürzester Zeit herausholen (ich habe teilweise mit weniger als einer halben Stunde am Strom 60-70 Prozent ins Nexus gepresst), aber schöner fände ich es, wenn ich mir eben nicht Nachmittags Sorgen um eine Stromversorgung machen müsste.

Wer sein Smartphone vielleicht weniger stark nutzt, der schafft den vollen Tag mit dem Nexus 5X. Ich allerdings nicht. Und das ist ein no-go.

Nexus 5X (8)

 

USB Typ-C

Der neue USB-Anschluss bedarf in jedem Fall eines eigenen Abschnitts. Allerdings nur der Entmystifizierung wegen.

USB Typ-C ist eine tolle Sache, keine Frage; man braucht sich nicht darum zu sorgen, ob man das Kabel richtig herum reinsteckt. Es bietet theoretisch sehr viel höhere Datenraten als herkömmliche microUSB-Anschlüsse und ist in der Theorie ein echter universeller Anschluss, über den man Laden, Daten übertragen, externe Datenträger anschließen oder ganze Displays betreiben kann. Ist es aber ein Killer-Feature? Nicht wirklich.

Alleine die vielen Typ-C Kabel, die im Umlauf sind und teilweise sogar das Gerät schädigen können, sprechen schon nicht unbedingt dafür. Ordentliche Kabel kosten dann schon deutliche, zweistellige Beträge und wenn man sich eines gönnt, hat man im Falle des Nexus 5X dann sogar nur dieses eine für Unterwegs zur Verfügung, da das Smartphone lediglich mit einem Typ-C auf Typ-C Kabel kommt und damit nur an das mitgelieferte Ladegerät aber beispielsweise nicht einmal an den PC angeschlossen werden kann.

Wenn ein Smartphone einen Typ-C Anschluss hat: super! Wenn es noch mit microUSB arbeitet: nicht schlimm. Meine Meinung.

 

Fingerabdruckscanner

Kurz und knapp: der Fingerabdruckscanner ist eine verdammt feine Sache. Er reagiert super schnell, entsperrt in 98% der Fälle verlässlich das Gerät und die Positionierung auf der Rückseite gefällt mir nicht nur deutlich besser, als auf der Front, sondern lässt den Zeigefinger ganz natürlich seinen Platz finden und sorgt damit immer wieder dafür, dass das Smartphone quasi schon entsperrt ist, wenn ich aus der Tasche nehme. Genial!

Nexus 5X (6)

Würde ich aber auf einen Fingerabdruckscanner in einem Smartphone beharren? Wohl eher nicht. Face-Unlock, Muster, Passwort oder PIN funktionieren auch und kosten letzten Endes nicht so viel mehr Zeit. Nachdem ich die Vorzüge des Scanners nun lange genug genießen konnte, würde ich aber auch wieder ohne zurecht kommen.

 

Kamera / Sound

Ich habe gute und Schlechte Nachrichten. Und entgegen der üblichen Konvention fange ich mit den guten an: Die Kamera des Nexus 5X (die baugleich mit der des Nexus 6P ist) ist wirklich, wirklich gut. Nein – das stimmt nicht; sie ist klasse!

Wenn die App nicht wieder abschmiert, macht man mit dem Nexus 5X/6P einfach mit die besten Bilder, die man derzeit mit einem Smartphone machen kann. hands down. Die Google-Kamera App lässt zwar diverse Möglichkeiten zum Einstellen gänzliche vermissen, dafür aber fokussiert sie verdammt schnell und knipst genau so schnell. Auto-HDR+ macht großartige und schnelle Bilder und ich hatte nie einen Grund es zu deaktivieren. Der deutlich größere Bildsensor sorgt für Bilder mit toller Qualität, wo andere Smartphones nur noch Rauschen und Schlieren erzeugen. Wenn ich ein Wunschsmarpthone zusammenstellen könnte, wäre diese Kamera auf jeden Fall da drin.

Beispielfotos des Nexus 5X

(Link zu Google Fotos)

Gut. Das haben wir also abgehakt. Was kann dann bloß die schlechte Nachricht sein? Ach ja – der mieserable Lautsprecher auf der Front des Geräts…

Nexus 5X (4)

Nicht nur war ich ziemlich enttäuscht, als ich feststellen musste, dass das Nexus 5X lediglich über einen einzelnen Lautsprecher verfügt und nicht, wie die Front einem zuerst vorgaukelt, über Stereo-Lautsprecher, sonder auch über die unterirdische Qualität des Speakers. Bei Lautstärken unter 50% ist er so leise, dass (sofern man nicht gerade abends im Bett liegt) man fast nie etwas hört. Wenn man dann aber auf Lautstärken von 80% und höher geht, wird der Klang so blechern und krächzig, dass es auch da keinen Spaß macht. Egal welche Musikrichtig, egal ob Musik oder YouTube-Video beliebigen Inhalts: der Klang ist immer mies. Dabei ist die maximale Lautstärke gar nicht sooo laut. Im direkten Vergleich zum Moto X Style (zum Testbericht) ist das Nexus 5X sogar recht leise. Versteht mich nicht falsch; ich bin niemand, der mit laut plärrender Musik herumläuft oder im Büro nicht eher ordentliche, externe Lautsprecher verwendet. Aber wenn ich dann mal etwas über das Smartphone spiele, habe ich wenigstens den Anspruch, dass der Klang vernünftig ist. Und das konnte das Nexus 5X einfach nicht liefern. Punkt.

Lautsprecher? SHAME, SHAME, SHAME!

Fun fact: der Lautsprecher sitzt übrigens nur hinter dem rechten Bereich des Lautsprechergrills. Deckt man nur diese Hälfte mit einem Finger ab, offenbart sich erst dann dieses Detail.

 

Fazit

Was bleibt mir jetzt noch zu sagen? Ich hatte mich dermaßen auf das Nexus 5X gefreut, dass ich sogar gewillt war, den doch ziemlich hohen Preis von 530€ zu zahlen. Habe ich es bereut? Mittlerweile schon. Inzwischen bekommt man das Gerät mit 32GB bei Amazon für 210€ weniger. Und da liegt es nun bei einem Preis, der mir angemessen erscheint. Angemessen für die Kompromisse, die man mit dem Nexus 5X eingeht.

Nexus 5X (3)

Keine Frage; wenn man ein Smartphone mit einer sehr guten Kamera sucht, dann führt derzeit wenig am Nexus 5X oder dem Nexus 6P vorbei. Allerdings wiegen die Performance-Probleme und der grottige Lautsprecher so schwer, dass ich mich jetzt nach über 4 Monaten vom Nexus 5X trennen werde.

Ich würde nicht grundsätzlich davon abraten das Smartphone aus dem Hause Google zu kaufen. Jetzt, beim gefallenen Preis noch weniger, als noch vielleicht Anfang des Jahres – aber empfehlen könnte ich es wohl derzeit niemandem. Schade.

 

4 Antworten

  1. deevil sagt:

    tja, performance probleme habe ich seit neuestem auch mit dem 6p.
    …und bendgate auch.
    das vergangene jahr mit seinem besch…. snapdragon 810 war flaggschiffmäßig einfach käse.
    egal ob oneplus mit dem in der praxis auch sonst grottigen oneplus 2, dem 6p oder sonst einem 810er flaggschiff
    auch als ausgewiesener sammy kritiker muß ich da das s7 loben, mit dem samsung diesem problem erfolgreich ausgewichen ist.

    auf der anderen seite frage ich mich, ob es nicht vielleicht auch an android liegt, daß beide letztjährigen nexen performancemäßig so die grätsche machen.

    • Michael sagt:

      Also, ich verwende seit einigen Monaten sehr zufrieden das Motorola Moto X Style, das ebenfalls mit dem Snapdragon 810 arbeitet und bin mit dem Gerät und der Performance extrem zufrieden!
      Der wird zwar trotzdem arg warm, aber das Gerät rennt noch immer wie am ersten Tag!

      Gruß,
      Micha

  2. Eriol sagt:

    Danke für den Kommentar! Ich habe eine Frage: Angeblich hat Google einige Probleme – insbesondere Performance und Akkulaufzeit – mit einem Update im März oder April 2016 in den Griff bekommen. Ist das korrekt? Kann das jemand hier bestätigen (oder auch nicht)? Danke!

    • Rainer sagt:

      Würde mich auch sehr interessieren. Kann man das Nexus 5 mittlerweile empfehlen. Die Lautsprecher sind mir egal. Nur die Performance ist mir wichtig..
      LG

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