Dank Artikel 11: Googles Darstellung von Nachrichten könnte bald so aussehen

Da werden sich die großen Zeitungsverlage sicherlich die Hände reiben. Für kleinere Publisher könnte das der Sargnagel sein.

Alle reden über Artikel 13 und Meme-Verbote und dass ihr Lieblingsyoutuber dann keine reaction-Videos mehr filmen kann… aber nicht viel unwichtiger ist die Tatsache, dass auch Artikel 11 der Urheberrechtsreform für alle deutliche Auswirkung haben dürfte.

Für die, die es nicht wissen: Google (etwa in den Suchergebnissen oder Google News), Bing oder Facebook (in der Regel im Feed) oder sonst ein Portal oder Dienst, der Nachrichten anbieten kann, eine Seite verlinkt und sowohl das, bzw. ein Bild der Zielseite und einen Text-Snippet einbindet, der in der Regel die ersten zig paar Worte umfasst, dann soll dieser Anbieter, bzw. Dienst für diese Snippets zahlen.

Wem das jetzt irgendwie bekannt vorkommt, der irrt sich nicht. Genau so einen Streit hatte es vor wenigen Jahren zwischen Google und deutschen Verlagen gegeben. Die tatsächlich erwirkt hatten, dass die Snippets zu den Nachrichten-Seiten entfernt wurden – die Konsequenz, die Google gezogen hatte, als die Verlage Geld für die Verlinkungen sehen wollten. Das Ergebnis: deutlich zurückgegangene Seitenaufrufe und Traffic und damit entsprechend weniger Einnahmen durch Werbeanzeigen. Mittlerweile hat Google für Deutschland ja wieder das Anzeigen von Auszügen ermöglicht (wobei das wohl eher den Bitten der deutschen Häuser geschuldet ist, als Google dringendem Wunsch, deutsche Nachrichten zu präsentieren).

Der Unterschied zu dem Szenario in Deutschland ist aber, dass durch die Vorgabe aus der EU es nicht die „Option“ gibt, von Google das Geld für das Anzeigen von Auszügen zu verlangen. Google (und eben auch andere Anbieter solcher Nachrichten-Sammlungen) wäre gezwungen, die Verlage und Publisher zu bezahlen, wenn man deren Auszüge zeigen wollte. Damit wäre Google in der Position, darüber zu entscheiden, welche Nachrichten mit Bild und Textauszug angezeigt werden und welche in Web 1.0 Manier bloße Link-Titel wären.

Und wenn man gezwungen wird, etwas zu tun, dann überlegt man sich, ob es nicht Alternativen gibt. So etwa auch in Spanien geschehen, wo Google nach einem ähnlichen Fall und neuem Gesetzt schlicht komplett Google News abgeschaltet hat. Dort haben die Publisher dann ebenfalls blöd aus der Wäsche geguckt, bzw. tun es jetzt noch. Laut searchengineland testet Google auch bereits eine veränderte Ansicht für die Suchergebnisse, die sich auf Nachrichten beziehen. Hier könnten dann ab Inkrafttreten sowohl die Textauswzüge, als auch die Bilder zu Beiträgen verschwinden, die gerade besonders häufig aufgerufen werden. Das könnte dann in etwa so aussehen:

Und das ist auch, was unter Umständen dem Europäischen Markt blühen könnte: große Verlage werden von dem Problem nicht sehr betroffen sein oder aber eventuell sogar profitieren, wenn nicht mehr mit Bildern und Textausrzügen auch auf andere Nachrichtenportale und Seiten verwiesen wird, kleinere Publisher könnte das vor existenzielle Probleme stellen.

Ich bin (natürlich auch aufgrund dieser Seite hier) sehr gespannt, wie das Thema wohl ausgehen wird und ob wir eventuell auch hier in Deutschland das erst vor wenigen Monaten runderneuerte Google News eventuell bald schon verabschieden können, wie es in Spanien der Fall war und was dann wohl den Google Feed neben meinem Homescreen auf dem Smartphone und den neuen Tab beim Chrome-Browser befüllen soll…

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