[Review] dünn, schön, schnell: das Huawei P9

Huawei P9

Huawei P9
86.4

Performance

9/10

    Handling

    9/10

      Kamera

      8/10

        Software

        8/10

          Akku

          10/10

            Pros

            • sehr dünn
            • wertige Materialien / Verarbeitung
            • guter Lautsprecher
            • Kamerasoftware mit viel Einstellungsmöglichkeiten
            • viel zusätzliche Funktionen

            Cons

            • Kamera
            • Huawei-Oberfläche ist gewöhnungsbedürftig
            • auffallender Rand um Display

             

            Ich hatte vor kurzem die Möglichkeit für einige Wochen das Huawei P9 zu testen, das mir freundlicherweise von StilGut zur Verfügung gestellt wurde – ein ganz großes Dankeschön noch einmal an dieser Stelle!

            Wie gewöhnt gibt es jetzt in ein paar Sätzen die Essenz meines Berichts und dann den ganzen ausführlichen Schnickschnack.

             


            TL;DR

            Das Huawei P9 ist ein ziemlich schickes und genial dünnes Smartphone, das trotzdem alles bietet, was man von einem Flaggschiff erwartet: schneller Prozessor, tolles, Display, tolles Design und eine top Verarbeitung.

            Allerdings hat das P9 gerade in einem Bereich geschwächelt, der eigentlich der Höhepunkt sein sollte: die Kamera war „nur okay“ und hat mich nicht so sehr vom Hocker gehauen, wie ich erwartet hatte. Darüber täuscht auch eine aufgeblasene Kamera-App (die es nur in hochkant gibt …?) mit vielen Einstellungsmöglichkeiten nicht hinweg.

            Dafür war ich überraschenderweise vom Lautsprecher und den tausend Zusatzfeatures in der gewöhnungsbedürftigen Software angetan.


             

            Optik und Haptik

            Fangen wir außen an. Das erste, was einem auffallen dürfte ist, dass das Huawei P9 ein dünnes Smartphone ist. Mit nicht einmal 7mm Dicke und 144g Gewicht ist es eines der Smartphones, das man gerne in die Hand nimmt, einfach weil es sich gut anfühlt und auf der anderen Seite auch in jeder (Hosen-)Tasche Platz findet. Der metallene Body ist nur auf der Front durch das Display und der Rückseite durch den Kamera-Streifen aus Glas unterbrochen und fühlt sich, wie so ziemlich jedes Metall-Smartphone gut an, leitet aber auch gerne Wärme. Auf der Rückseite findet man unterhalb der Kameras einen Fingerabdruckscanner, auf der rechten Seite befinden sich Ein/Aus- und die Lautstärketasten und die Unterseite beherbergt Kopfhörer- und USB Typ-C-Anschluss, sowie den Lautsprecher. Auf Zusätze, wie etwa einen IR-Blaster hat man verzichtet.

            Auf der Front findet sich das FullHD-Display, das wie gewohnt von Frontkamera und einigen Sensoren begleitet wird. Hier fiel mit direkt ein Manko bei der weißen Version des Geräts auf: um das Display herum ist ein deutlicher, schwarzer Rahmen, der (einmal gesehen) nicht mehr ungesehen werden kann. Alleine deswegen würde ich immer auf die schwarze Ausführung setzen.

             

            huawei p9 stilgut (17)

             

            Handling

            Dieser Punkt lässt sich recht schnell abfrühstücken: das P9 ist mit dem 5,2 Zoll Display so groß, dass man es locker mit einer Hand bedienen kann. Dabei kommen die relativ schmalen Ränder der Benutzung eher zugute, als dass etwa ein Handballen für Fehleingaben sorgen könnte. Der Fingerabdruckscanner auf der Rückseite arbeitet, wie man es von Huawei gewohnt ist, schnell und akkurat.

            Allerdings leidet das P9 auch in diesem Bereich ein wenig unter dem zwar sehr schönen, aber leider doch ziemlich rutschigen Metallgehäuse. Wer keinen wirklich sicheren Grip hat, der wird feststellen, dass das Smartphone gerne mal etwas eher aus dem Griff gleiten kann, als man es von anderen Geräten gewohnt ist. Dafür lassen sich aber die Tasten des Geräts sehr gut erreichen und bedienen (anders, als etwa beim Galaxy S7).

             

             

            Performance

            Der Kirin-Prozessor im Huawei P9 muss sich auf keinen Fall vor der Konkurrenz aus dem Hause Qualcomm verstecken. In Benchmarks liegt das P9 hinter Geräten mit einem Snapdragon 820, aber im Alltag merkt man diesen Unterschied nicht. In meiner Benutzung hat mich dieser nicht im Stich gelassen; Apps starten schnell, wechsel zwischen offenen Applikationen ging immer schön zackig und Spiele hat die CPU zusammen mit der Mali GPU sehr ordentlich gemeistert. Lediglich, dass das Gerät bei intensiver Nutzung, wie etwa Spielen in Gänze sehr warm wird ist mir etwas aufgestoßen – aber das ist ein Problem, das man bei so ziemlich allen Geräten mit Metall-Body hat.

             

            Spezifikationen des Huawei P9
            Display 5,2 Zoll
            Auflösung 1920 x 1080 (424 ppi)
            CPU HiSilicon Kirin 955 (2,5 GHz)
            GPU Mali-T880
            RAM 3 GB RAM
            Speicher 32GB
            microSD-Support
            Akku 3.000mAh
            SIM nanoSIM
            Abmessungen 145 x 70,9 x 6,95 mm
            Gewicht 144g
            Hauptkamera 12,2 Megapixel (f/2.2)
            Frontkamera 8 Megapixel (f/2.4)
            Modem GSM, HSPA, LTE
            WLAN 802.11 b/g/n/ac MIMO
            Bluetooth 4.2, LE
            USB USB Typ-C
            Betriebssystem Android 6.0

             

             

            Software

            In Zusammenhang mit der Performance kann ich gut einmal auf die Software eingehen. Hier hat sich Huawei einiges einfallen lassen, bzw. wieder eingesetzt.

            Woran sich die Oberfläche EMUI orientiert, die über dem Android 6.0 Marshmallow liegt, erkennt man sehr bald: kein App-Drawer, überall Transparenzen, sogar die universelle Suche aus iOS findet man auf dem P9, wenn man auf dem Homescreen einfach nach unten wischt. Das muss nicht jeder schlecht finden – das muss aber auch nicht jedem gefallen. Glücklicherweise kann man bei Android nach Laune einen eigenen Launcher installieren.

            Das P9 besitzt außerdem einige, recht clevere Zusatzfunktionen, die man allerdings erst einmal finden muss. Wenige, wie etwa der „Scrollshot“ (extra lange Seiten als ein Screenshot aufnehmen) werden einem automatisch angeboten. Über Sinn und Unsinn eines Systemoptimierungs-Tools, das man ebenfalls finden kann, darf man gerne streiten. Ich habe es gepflegt ignoriert.

            Andere muss man finden, wie etwa das „Floating Dock„, das einem ermöglich, verschiedene Schnellzugriffe als kleine Blase am Bildschirmrand anzudocken.

            Hier sind viele Ideen in das System gegangen. Ich fürchte allerdings, dass die meisten Anwender erst gar nicht so weit in die Einstellungen hineingehen, dass sie solche, teils ganz praktischen Gimmicks finden.

            Wer eine solche Oberfläche gewöhnt ist (oder ja sogar von einem Apple-Gerät kommt), der wird sich auf dem P9 schnell zurecht finden. Wer allerdings ein „klassisches“ Android mit App-Drawer und ohne Spielereien gewohnt ist, der wird seine liebe Mühe haben, sich mit dem UI zu arrangieren.

             

            huawei p9 stilgut (15)

             

            Akku

            Mit einem 3.000mAh starken Akku macht das Huawei P9 in Sachen Laufzeit eine ziemlich gutes Bild. Ich habe das Smarpthone jeweils ganze Tage lang benutzt, ohne dass ich mir all zu große Sorgen um eine weitere Ladung des Akkus machen muss. Huawei integriert einen Akkumanager mit „Energieplan“, der es erlaubt, zwischen verschiedenen Modi zu wechseln, die unterschiedliche Laufzeiten versprechen; und während ich zwischen ‚Leistung‘ und ‚Intelligent‘ eigentlich keinen Unterschied merkte, schränkte ‚Ultra‘ das Gerät schon stärker ein und ließ nur noch bedingt ein normales Bedienen zu.

            huawei p9 stilgut (12)

            Die „Stromverbrauchs-Firewall“ kann darüber aufklären, welche Apps während der Laufzeit den meisten Strom verbrauchen und diese beenden oder proaktiv daran hindern, beispielsweise im Hintergrund zu agieren. Hier dürfte sich bei den meisten Nutzern wohl die lästige App mit weißem ‚f‘ auf blauem Grund finden. 😉

            Insgesamt kann man den Akku des Huawei P9 aber als gut bis sehr gut bezeichnen. Ich habe in der Regel mit automatischer Helligkeit über 2,5 Stunden Bildschirmzeit aus dem Gerät holen können, was für mich mehr als ausreichend ist und wohl auch für die meisten Anwender genügen dürfte.

             

             

            Kamera

            Hier taucht einer der Punkte auf, von dem ich tatsächlich enttäuscht war. Während Huawei die Dual-Kamera von Leica als Highlight des P9 angekündigt hat, fand ich sie eher okay bis gut, als wirklich herausragend.

            Keine Frage, die Kameras machen gute Bilder, aber die lassen gerade in der Vergrößerung Details vermissen, brillieren nicht gerade durch Bildrauschen und sind dafür dann etwas überschärft…

            huawei p9 fotos
            Huawei P9 Testfotos (Google Fotos)

            Dafür hat man aber versucht alles Wichtige in die Kamera-App zu bringen, was einem engagierten (Hobby-)Fotografen wichtig sein könnte: manueller, stufenloser Weißabgleich, manuelle Belichtung, manueller Fokus – alles da. Und das ist auch eine coole Sache; wenn denn der normalsterbliche Nutzer etwas damit anfangen und es gebrauchen könnte.

            Viel schlimmer, als die überladene Kamera-App, bei der man fast nicht weiß, wo man anfangen soll ist aber die Tatsache, dass sie nur im Hochformat verfügbar ist. Was hat sich denn wer bitteschön dabei gedacht? Ist man so auf Instagram und die Generation VVS versteift, dass eine Kamera-App die ich auch quer sinnvoll nutzen kann, zu viel verlangt ist?

            Hier hat man (übrigens nicht nur meiner Meinung nach) leider nicht das geliefert, was man mit den Leica-Kameras versprochen hatte. Das macht die Kamera zwar nicht per se schlecht, aber wenn man mit hohen Erwartungen daran geht… naja.

             

            Sound

            Diesen Punkt möchte ich gerne noch kurz anreißen. Ich bin ja ausgesprochener Freund von guten (Stereo-Front-)Lautsprechern und hatte mir ehrlich gesagt nicht all zu viel von dem einzelnen Speaker am Huawei P9 erhofft. Aber im Gegensatz zur Kamera wurde ich hier mehr als nur angenehm überrascht. Der Klang des Lautsprechers auf der Unterseite des P9 ist wirklich, wirklich gut. Er ist lauter, als man erwarten würde und klingt dabei nicht blechern, verzerrt nicht bei größeren Lautstärken, wie etwa beim Nexus 6P und kann ganz locker das Badezimmer beim Duschen beschallen, sodass man nicht unbedingt auf einen externen Speaker setzen muss.

             

            Fazit

            Das Huawei P9 ist ein gutes Smartphone – ganz klar. Für aktuell knapp 450€ (Stand 07/16) bekommt man ein rundes Paket. Allerdings muss einem 1. das Design des Smartphones gefallen. Da dieses zumindest in meinen Augen eher etwas feminin ist, ist es nichts für mich. 2. sollte man sich auf die stark angepasste und noch stärker an iOS angelehnte Oberfläche einlassen können – für mich ist das ebenfalls nichts. 3. sollte man nicht die Erwartungen an das Gerät stellen, die Huawei bewirbt; es handelt sich beispielsweise eben nicht um einen Ersatz für eine DSLR… 😉

            Für mich wäre ein Huawei P9 also kein Anwärter auf „mein nächstes Smartphone“, aber wer es gerne schön mag, der findet darin sicherlich ein gutes Smartphone.

             

             


            StilGut

            Dieses Testgerät wurde mir von StilGut zusammen mit diversen Echtleder-Hüllen zur Verfügung gestellt, wofür ich mich sehr herzlich bedanke. Die eingesetzten Huawei P9 Hüllen findet ihr auf der Seite von StilGut.

            StilGut fertigt exklusive Accessoires für Smartphones und Tablets, sowie Taschen, Portemonnaies und Weiteres – fast ausschließlich aus Echtleder, aber immer in Handarbeit. Dabei wird eine breite Palette von Geräten unterstützt, von Apple über Huawei und Samsung bis Wiko. Ein Blick in den Shop oder auf Amazon lohnt sich auf jeden Fall, wenn ihr wieder einmal auf der Suche nach einem besseren Schutz für euer Smartphone, als einem labbrigen TPU-Skin seid. 😉

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