Google Clips: und alle so „OH MEIN GOTT! DAS IST EINE SPIONAGEKAMERA !!!1!!“

Google hat vorgestern unter anderem eine kleine, autarke Kamera vorgestellt, die automatisch Fotos und Videos macht und dem Nutzer damit ermöglichen soll, selber auf ebendiesen Fotos sein zu können. Aber irgendwie verstehen die Leute die Idee nicht.

Die Geschichte ist fast so alt, wie Google selber: wann immer der Suchgigant einen neuen Dienst vorstellt, ist die erste Reaktion vieler Medien „Damit wollen die nur an deine Daten und dann verkaufen die die Facebook und die verkaufen die weiter und dann siehst du demnächst dein Foto in einer Werbung für Abnehmpillen“.

Und jetzt werft mir ruhig vor, dass ich übertreiben würde – Kommentare in diese Richtung hat man damals gelesen, als Google Fotos vorgestellt wurde, was es einem erlaubt, unendlich viele Bilder bei dem Dienst zu speichern. Ja, Google Fotos analysiert die Bilder, die man hochlädt, um etwa zusammengehörende Inhalte zu Alben zum Zusammenfassen vorschlagen zu können oder es euch erlaubt, nach Bildern von eurem Hund zu suchen.

Apple war sogar soweit gegangen, bei der vorletzten WWDC einer nicht namentlich genannten Firma vorzuwerfen, dass sie die Bilder, die Kunden hochladen zu scannen und diese zu Werbezwecken zu verkaufen. Ich kann mir nur ausmalen, was man beim nächsten Event zu Google Clips sagen wird.

 

Eine kleine Kamera, die für euch Fotos macht

Mit Google Clips zeigte Google vorgestern ein Gerät, das interessanterweise niemand auf dem Schirm hatte. Die kleine Kamera ist dabei dazu gedacht, aufgestellt oder irgendwo angeklippt zu werden und eigenständig Fotos und kurze Videos zu machen, die ihr später ansehen könnt und diejenigen auswählt, die euch gefallen.

Google hat (wohl der oben beschriebenen Thematik wegen) bei der Präsentation mehrfach betont, dass das Gerät dabei keine Verbindung in irgendeine Cloud aufbaut und die Bilder dort ablegt, sondern sie ausschließlich lokal auf dem 8GB großen, internen Speicher vorhält, von wo aus ihr sie dann über eine extra App prüfen könnt.

Dabei schießt Google Clips mit einer 12 Megapixel Kamera mit einer Blende von f/2.4 und einem 130° Weitwinkel. Einmal aktiviert leuchtet auf der Front eine deutlich erkennbare LED, die jedem zeigt, eben dass die Kamera nun aktiv ist. Auch die Optik von Google Clips ist explizit so gehalten, dass man das Gadget als Kamera ausmachen kann. Google hat hier wohl vor allen Dingen die Reaktionen der Umwelt und der Presse zu Google Glass als Orientierung genommen. Der smarten Brille wurde nämlich vermehrt vorgeworfen, dass soetwas ja nur etwas für Spanner und Perverse sei und niemals jemand sicher wüsste, ob er nicht gerade aufgezeichnet würde.

Google Clips sei laut Google außerdem nicht dafür gedacht, an das Hemd oder die Hosentasche gesteckt zu werden, sondern eben aufgestellt oder an einem festen Platz montiert zu werden. Außerdem besitzt das Gerät kein Mikrofon, mit dem es eventuell unbemerkt eure Gespräche aufzeichnen und an Google senden könnte.

 

Mit Google Clips richten sich die Mountain Viewer explizit an Eltern/Großeltern und Haustierbesitzer, die einfach gerne häufiger Bilder von allen Mitgliedern hätten – eben so, als wäre ein Fotograf anwesend, der knipst wenn alle im Bild sind. Hierfür arbeitet im Inneren der Kamera eine speziell ausgearbeitete KI, die erkennt, ob das aktuell aufgenommene Bild eventuell unscharf ist und ob sich bekannte Gesichter im Sucher befinden. Auf dem Gerät. Nicht in Googles Gesichterkennungszentrum des BND.

Was soll ich sagen? Ich finde die Idee ganz cool. Zwar ist das Preisschild mit $249 etwas hoch angesetzt, aber als junger Vater ertappe ich mich ständig dabei, wie ich teils völlig unsinnige Bilder meines Sohnes aufnehme und ich würde es begrüßen häufiger Bilder mit ihm und meiner Frau zusammen zu haben, die eben keine Selfies sind. Die schönsten Bilder entstehen in der Regel aus Situationen heraus und nicht, wenn sich alle Beteiligten zur Kamera drehen und posieren.

 

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